Die vorliegenden Überlegungen sind aus dem Wunsch heraus entstanden, jungen Gläubigen praktische Anregungen zu geben, wie sie ein Leben zur Ehre Gottes führen können, ohne immer wieder in Sünde zu fallen. Vielleicht hast du dir diese Frage auch schon einmal gestellt. Aus eigener Erfahrung und aus vielen Gesprächen mit jüngeren und älteren Christen weiss ich nur zu gut, welche Herausforderungen wir im Alltag oft haben, die Wahrheit, dass wir als Gläubige mit Christus der Sünde gestorben sind, in die Praxis umzusetzen.
Aus diesem Grund habe ich nach praktischen Ratschlägen aus der Bibel gesucht, um Hilfe anzubieten und die biblische Wahrheit „Haltet euch für tot gegenüber der Sünde und lebendig für Gott in Christus Jesus“ (Röm 6,11) für uns ein wenig greifbarer zu machen. Ausgehend von den Lehren des Apostels Paulus in Römer 5,12–8,3 möchte ich die Auswirkungen auf unseren Alltag aufzeigen und einige praktische Hinweise zu diesem Thema geben.
Diese Überlegungen sind keineswegs eine erschöpfende Behandlung dieses biblischen Themas. Es ist daher notwendig selbst in der Bibel nach den Hilfsquellen zu suchen, die Gott uns für ein gottgefälliges und glückliches Leben bereitgestellt hat. Möge der Herr uns helfen, konsequenter im Alltag gemäss der gewaltigen Wahrheit zu leben, dass wir mit Christus der Sünde gestorben sind, damit wir nicht von einer Niederlage zur nächsten stolpern, sondern als solche leben, die – von der Macht der Sünde befreit – in der Kraft des Geistes zur Ehre Gottes wandeln. Ich bin mir bewusst, wie unvollkommen ich selbst dies in die Praxis umsetze. Niemand sollte daher denken, dass ich allein wegen dieser Broschüre weniger Herausforderungen mit diesem Thema habe als andere.
Die Sache ist die: Selbst wenn wir die Wahrheit, dass wir mit Christus gestorben sind, verstanden und geglaubt haben, bleiben die Herausforderungen bestehen. Und was noch wichtiger ist:
Eine echte christliche Praxis ist nur möglich in einer innigen und lebendigen Beziehung zu unserem Herrn.
„Denn ohne mich könnt ihr nichts tun“, sagte der Herr Jesus in seiner Abschiedsrede in Johannes 15,5 an seine Jünger. Dieser Vers gilt auch heute noch. Und wenn wir davor bewahrt werden, in Sünde zu fallen, dann lasst uns Gott danken für seine Gnade und Bewahrung. Der Gedanke sollte uns völlig fern sein, dass wir ja eigentlich ganz gute Christen wären und ganz gut zurecht kommen würden. Gott warnt uns: „Darum, wer meint, er stehe, der sehe zu, dass er nicht falle“ (1. Korinther 10,12).
Wenn du in einem gesunden, vielleicht sogar christlichen Elternhaus aufgewachsen bist und vor grober Sünde bewahrt wurdest und nie tief in der Welt und in der Sünde gelebt hast, dann danke dem Herrn dafür. Aber nicht mit der Haltung des Pharisäers in Lukas 18,11: „O Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die Übrigen der Menschen: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche, ich verzehnte alles, was ich erwerbe“. „Ich bin nicht … Ich tue … Ich, ich, ich …“; das ist nicht die Sprache eines Christen. Es ist Gottes Gnade, die uns bewahrt, das dürfen wir niemals vergessen!
Aber es gibt auch die Seite der Verantwortung. Es kommt darauf an, wie wir uns verhalten. Wenn wir sündigen, können wir niemals sagen: Gott hat mich oder jemand anderen nicht gerettet oder die Umstände sind schuld. Wir sind verantwortlich für das, was wir tun. Wir wollen dieser Verantwortung mit Gottes Hilfe und Gnade gerecht werden, auch in diesen letzten schwierigen Tagen.
Nur auf der Grundlage der Gnade; gerettet, unterwiesen, befestigt durch die Gnade (Tit 2,11–12; Hebr 13,9), können wir dieser Verantwortung gerecht werden. Auf einem gesetzlichen Weg ist das niemals möglich.
Gott hat sein Wort mit Beispielen, Ratschlägen, Anweisungen und Ermahnungen erfüllt, um uns auf dem Glaubensweg zu helfen, während wir dem Herrn Jesus nachfolgen, „der sich für uns hingegeben hat, damit er uns von jeder Gesetzlosigkeit erlöse und für sich ein Volk rein mache, das ihm gehört und eifrig ist für gute Werke.“ Tit 2,14.
Doch Gott gibt den Christen keine Checkliste, die wir abarbeiten und abhaken können, um dann anzunehmen, wir seien auf der sicheren Seite. „Wir alle straucheln oft“, schreibt Jakobus (Jak 3,2), und Paulus ermahnt die Geistlichen unter den Galatern, „auf sich selbst zu achten, damit sie nicht in Versuchung geraten“ (Gal 6,1). Ich wiederhole: Diesen Satz schreibt er an geistliche, das heisst, erwachsene Christen.
Wenn wir über Verantwortung sprechen, sollten wir immer bedenken, dass der Weg des Christen kein gesetzlicher, sondern ein moralischer Weg in einer gelebten Beziehung ist. Da will Gott uns heiligen und verändern, indem er unsere Herzen und Gewissen mit seinem Wort und mit seinem Sohn beschäftigt. Wenn wir unseren Weg gehen, ist es Gott selbst, der uns bewahrt, uns hilft und uns zum ersehnten Ziel im Himmel führen wird.
Damit wir diese Frage beantworten können, müssen wir zum Ursprung der Sünde zurückgehen. Daraus leitet sich einerseits der eigentliche Charakter der Sünde ab. Anderseits wird uns dabei bewusst, wie schrecklich Sünde in den Augen Gottes ist und welche fatalen Folgen sie für uns Menschen hat.
Das erste Mal in der Geschichte der Schöpfung ist Sünde aufgetreten, als der Satan, das höchste Engelwesen, sich erhob und wie Gott werden wollte. Die Propheten Jesaja und Hesekiel sprechen davon:
Wie bist du vom Himmel gefallen, du Glanzstern, Sohn der Morgenröte; zur Erde gefällt, Überwältiger der Nationen! Und du sprachst in deinem Herzen: ‹Zum Himmel will ich hinaufsteigen, hoch über die Sterne Gottes meinen Thron erheben und mich niedersetzen auf den Versammlungsberg im äussersten Norden. Ich will hinauffahren auf Wolkenhöhen, mich gleichmachen dem Höchsten.› Doch in den Scheol wirst du hinabgestürzt, in die tiefste Grube (Jesaja 14,12‑15).
Vollkommen warst du in deinen Wegen von dem Tag an, als du geschaffen wurdest, bis Unrecht an dir gefunden wurde. Durch die Grösse deines Handels wurde dein Inneres mit Gewalttat erfüllt, und du sündigtest; und ich habe dich entweiht vom Berg Gottes weg und habe dich, du schirmender Cherub, vertilgt aus der Mitte der feurigen Steine. Dein Herz hat sich erhoben wegen deiner Schönheit, du hast deine Weisheit zunichtegemacht wegen deines Glanzes; ich habe dich zu Boden geworfen (Hesekiel 28,15-17).
Dann lesen wir in 1. Mose 3 von Sünde: Der Satan – jetzt als eine listige Schlange – verleitete das erste Menschenpaar zu Hochmut und Ungehorsam gegenüber Gott. Der Herr hatte Adam und Eva mit einem freien Willen geschaffen. Als Geschöpfe Gottes waren sie aber Ihm verantwortlich und von Ihm abhängig. Sie besassen ein einziges Gebot: Sie durften die Frucht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen nicht essen. Dieses Verbot berührte nicht die Frage von Gut und Böse. Davon hatten Adam und Eva ja noch keine Vorstellung. Es ging schlicht um die Frage, ob sie Gott gehorchen würden. Doch sie liessen sich von Satan verführen und assen von der verbotenen Frucht. Diese erste Sünde des Menschen offenbart
• Hochmut, denn sie wollten sein wie Gott,
• Ungehorsam, denn sie übertraten das Gebot, und
• Unabhängigkeit, denn sie lehnten sich gegen Gottes Autorität auf.
Der Ursprung und das Wesen der Sünde ist also Hochmut, Unabhängigkeit und Ungehorsam. Das wird uns in 1. Johannes 3,4 mit den markanten Worten bestätigt: «Die Sünde ist die Gesetzlosigkeit.» Gesetzlosigkeit ist nicht Gesetzesübertretung, sondern eine Einstellung, die keine Autorität über sich anerkennt. Man will selbst bestimmen und der Grösste sein. Daraus entspringt jeder Ungehorsam, jede Ungerechtigkeit und jede Übertretung. Das Prinzip der Sünde wird beim Antichristen den absoluten Höhepunkt erreichen. Er wird der Mensch der Sünde genannt, der «sich über alles erhöht, was Gott heisst oder verehrungswürdig ist, so dass er sich in den Tempel Gottes setzt und sich selbst darstellt, dass er Gott sei» (2. Thes 2,3.4). Aber wir wollen daran denken, dass das Geheimnis der Gesetzlosigkeit jetzt schon in der Welt wirksam ist und auch uns beeinflusst. Sünde ist letztlich alles, was wir in Unabhängigkeit von Gott und in Ungehorsam Ihm gegenüber tun.
In 1. Mose 6,11 heisst es: «Die Erde war verdorben vor Gott, und die Erde war voll Gewalttat.» Damit werden die beiden Charakterzüge der Sünde beschrieben: moralisches Verderben und Gewalttätigkeit.
Moralisches Verderben ist nach Kolosser 3,5-9:
a) sexuelle Unreinheit, Geldliebe oder Habsucht,
b) Falschheit, Lüge oder Trug.
Gewalttat ist jede Form von Feindschaft, Brutalität und Gewalt gegen andere in Worten und Taten. Beides greift der Herr in der Bergpredigt in Matthäus 5 auf. In den Versen 21-26 behandelt Er die Gewalttat, in den Versen 27-30 das moralische Verderben. Doch Er bleibt nicht bei der Tat selbst stehen, sondern geht bis zum Grund unserer Herzen und deckt die Wurzel davon auf. In Johannes 8,44 bezeichnet der Herr den Teufel als Menschenmörder und Lügner. Das sind wieder die beiden Elemente der Sünde: Gewalt und Verderben. Nur nimmt beim Teufel das Verderben die Form der Lüge und damit der Verführung an. Übereinstimmend damit zeigt sich der Teufel als brüllender Löwe und als Engel des Lichts. In der Drangsalszeit, die nach der Entrückung stattfinden wird, werden sich diese beiden Züge der Sünde in vollem Mass entfalten. Es wird eine Zeit massivster Verführung und totaler Gewalt und Unterdrückung sein (Mt 24,4-12).
• Das Wesen der Sünde ist also nicht zuerst eine Frage von moralisch verwerflichen Taten, sondern von Hochmut, Unabhängigkeit und Ungehorsam.
• Ein Weg ohne Gott ist immer ein Weg des Verderbens. Deshalb offenbart sich Sünde durch Unmoral und Gewalttat.
Sünde ist nicht etwas Abstraktes, sondern grausame Wirklichkeit. Sie dominiert die Welt. Aber nicht nur das, als ein böses Prinzip beherrscht sie den einzelnen Menschen, der noch nicht von ihrer Macht befreit ist. Zudem wohnt sie noch in jedem Gläubigen.
Kann ein Mensch, der die Sünde in sich hat, überhaupt so leben, wie es Gott gefällt? Ist er von sich aus in der Lage, Gott zu gehorchen? Nein! In seinem natürlichen Zustand ist er dazu absolut unfähig. Doch, Gott sei Dank – Er hat für jeden, der an den Herrn Jesus glaubt, eine Lösung geschaffen. Bei unserer Bekehrung ist eine Veränderung mit uns geschehen. Gott hat uns in eine neue Stellung versetzt, damit wir ein Leben zu seiner Ehre führen können. Im Römer-Brief wird sie uns beschrieben.
In Römer 1,18 – 5,11 erklärt uns der Apostel Paulus, wie Gott das Problem unserer Sünden gelöst hat. Zuerst wird klar: Wir haben alle gesündigt und somit die göttliche Strafe verdient. Eindrücklich überführt Gott unmoralische, anständige und religiöse Menschen von ihrer Schuld. Ohne Ausnahme sind alle wegen ihrer bösen Taten dem ewigen Gericht verfallen (Röm 3,19). Doch dann bietet Gott allen die Rechtfertigung aus Gnade an. Jedem, der an die Person und das Werk des Herrn Jesus glaubt, vergibt Gott die Sünden und spricht ihn gerecht. Die Grundlage dafür ist das Blut des Herrn Jesus: Er hat mit dem Preis seines Lebens bezahlt, um die Sünden aller zu tilgen, die an Ihn glauben. Weil wir bei unserer Bekehrung dieses Angebot der Gnade Gottes angenommen haben, hat Er uns gerechtfertigt. Er rechnet uns die Sünden nicht mehr an und betrachtet uns wie solche, die nie gesündigt haben.
In Römer 5,12 – 8,39 behandelt der Apostel Paulus das Problem der in uns wohnenden Sünde. Wieder beginnt er mit der Ausgangslage: Jeder Mensch ist aufgrund seiner Abstammung von Adam ein Sünder. Der Beweis dafür ist die Tatsache, dass alle gesündigt haben. Es geht jetzt nicht mehr um unsere Taten, sondern um unseren Zustand: Von Natur sind wir Menschen verlorene Sünder! Auch dafür hat Gott im Herrn Jesus eine vollkommene Lösung gefunden: Bei unserer Bekehrung hat Er uns auf der Grundlage des vollkommenen Sühnungstodes seines Sohnes nicht nur unsere Sünden vergeben, sondern uns auch von der Macht der Sünde befreit. Paulus geht in seinen Belehrungen schrittweise vor:
Eine neue Stellung
In Römer 5,12-21 wird uns gezeigt, dass wir durch den Tod des Herrn Jesus aus dem Sünder-Leben herausgenommen worden sind. Gott hat uns in eine neue Stellung gebracht und uns in Christus ein neues Leben geschenkt.
Der Sünde gestorben
In Römer 6,1-11 wird uns die Tatsache vorgestellt, dass wir der Sünde gestorben sind. Dieses böse Prinzip, beherrschte unser Leben vor unserer Bekehrung, als wir noch Sünder waren. Gott hat uns nun von diesem bösen Prinzip befreit, indem Er uns den Tod des Herrn Jesus zugerechnet hat. Hier handelt es sich nicht um sein Blut als Preis der Erlösung, sondern um seinen Tod, der unserem sündigen Zustand ein Ende machte. Gott betrachtet mich nun als mit Christus der Sünde gestorben. Mein Leben als Sünder (= der alte Mensch) hat bei der Bekehrung sein Ende gefunden. In der Auferstehung von Christus bin ich in eine neue Position versetzt worden, in der ich für Gott leben kann. Die klare Aussage in Vers 11 ist: «Haltet dafür, dass ihr der Sünde tot seid, Gott aber lebend in Christus Jesus.» Diese Glaubenstatsache dürfen wir genauso für wahr halten wie die Vergebung unserer Sünden. Wenn wir glauben, dass wir der Sünde tot sind, wird sich das auf unser praktisches Leben auswirken. Unsere Erfahrung ist aber oft, dass wir leider noch sehr lebendig für die Sünde sind. Darum haben wir Mühe, diese Heilstatsache zu verstehen. Doch sie hängt nicht von unserer Verwirklichung ab, sondern ist ein Geschenk Gottes, das wir einfach im Glauben annehmen dürfen.
Ein gerechtes und heiliges Leben
In Römer 6,12-23 wird uns die Praxis vorgestellt, die aus der Tatsache hervorgeht, dass wir mit Christus der Sünde gestorben sind. Unser Leben als Erlöste soll nun durch praktische Gerechtigkeit und Heiligkeit gekennzeichnet sein. In diesem Abschnitt möchte ich das Wort «darstellen » besonders hervorheben. Gott wünscht, dass wir uns Ihm zur Verfügung stellen. Mit unserem ganzen Menschsein, unserem Denken und Fühlen, Reden und Tun sollen wir Ihm dienen. In Römer 12,1 greift der Apostel diesen Gedanken wieder auf und vergleicht uns mit einem lebendigen Schlachtopfer. Das zeigt uns die Intensität eines Lebens, in dem wir uns Gott zur Verfügung stellen. Es ist keine halbherzige Angelegenheit. Wir müssen uns der Kernfrage stellen: Wollen wir wirklich Gottes Willen tun? Oder wollen wir nicht doch unseren eigenen Begierden leben? Prüfen wir unsere arglistigen Herzen, wenn wir gesündigt haben: Ist es nicht so, dass wir diese Sünde insgeheim auch tun wollten? Seien wir ehrlich vor Gott und mit uns selbst (siehe dazu Jer 17,9.10; Ps 19,13; 139,23.24). In Vers 14 gibt Gott uns eine Verheissung: «Die Sünde wird nicht über euch herrschen, denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade.» Das bedeutet: Es ist uns möglich, ein Leben frei von der Macht der Sünde und zu Gottes Ehre zu führen. Wenn wir das von Herzen wünschen, dann stellt sich uns die Frage: Wie schaffen wir das?
In der Kraft des Geistes Gottes
Die Antwort dazu finden wir in Römer 7,1 – 8,17. Weder durch das Halten des Gesetzes noch mit der eigenen Willenskraft schaffen wir es, für Gott zu leben. Nur in der Kraft des Heiligen Geistes können wir ein Leben führen, das nicht von der Sünde beherrscht wird. Paulus macht uns das in Kapitel 7,7-25 anhand der beispielhaften Erfahrungen eines bekehrten Menschen klar. Dieser Mensch hat die Befreiung von der Macht der Sünde noch nicht verstanden, möchte aber nicht mehr sündigen, sondern das Gute tun. Ist ihm das Gesetz dabei eine Hilfe? Nein!
• Erstens macht ihm das Gesetz seinen hoffnungslos verdorbenen Zustand deutlich (V. 7), ja sogar überaus deutlich (V. 13). Aber Kraft, um das Gute zu tun, kann es ihm nicht geben.
• Zweitens stachelt das Gesetz die Sünde zur Aktivität an (V. 8). Gerade das Verbot reizt zur Übertretung, so dass Paulus in 1. Korinther 15,56 erklärt: «Die Kraft der Sünde ist das Gesetz.»
Beide Tatsachen gelten auch für solche, die nicht aus dem Volk Israel stammen und deshalb nie unter dem Gesetz vom Sinai standen. Wer versucht, das Böse durch das Aufstellen von Regeln und Geboten zu vermeiden, wird immer wegen der in ihm wohnenden Sünde scheitern. Er findet in den selbst auferlegten Regeln keine Hilfe, das Böse zu lassen, sondern einen Reiz, das Verbotene zu tun. Durch Erfahrung lernt dieser Mensch nun in den Versen 14-25 drei wichtige Tatsachen:
1) Er merkt, dass sich in ihm (so wie er von Natur aus ist) nichts Gutes befindet. Er begreift: Ich habe eine Natur in mir, die völlig sündig und verdorben ist (V. 14.18a). Die Sünde, dieses böse Prinzip, bleibt in ihm und ändert sich auch durch die Bekehrung und durch ein geistliches Wachstum im Glauben nicht. Sein ganzes Leben lang besteht die Gefahr, dass er ihren Forderungen nachgibt und sündigt (V. 25).
2) Er lernt zwischen dem erneuerten Ich (dem inneren Menschen) und der in ihm wohnenden Sünde zu unterscheiden. Er versteht, dass er zwei Naturen in sich hat, die einander entgegengesetzt sind und die beide ihren Einfluss geltend machen wollen (V. 17.20).
3) Er erfährt, dass in ihm selbst absolut keine Kraft ist, das Böse zu lassen und das Gute zu tun (V. 18.19.23.24).
Diese Realitäten müssen auch wir meistens durch schmerzliche Erfahrungen kennen lernen. Diese Erkenntnis führt uns dahin, die Hilfe für ein Gott wohlgefälliges Leben ausserhalb von uns zu suchen. Wir rufen dann wie dieser Mensch in Vers 24: «Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leib des Todes?» Weil wir selbst nicht weiterkommen, blicken wir von uns weg auf Gott und erkennen, dass Er uns in Christus schon von der Macht der in uns wohnenden Sünde gerettet hat! Wenn wir die Verse 24 und 25 lesen, fragen wir uns: Warum dankt der bekehrte Mensch so unverhofft nach seinem Hilferuf, ohne die Rettung beim Namen zu nennen? Die Antwort liegt in den vorhergehenden Belehrungen. Dieser Mensch begreift auf einmal, was der Apostel in Römer 6,1-11 bereits erklärt hat: Der Tod von Christus, der mir angerechnet wird, befreit mich von der Macht der Sünde. Er weiss: Durch den Kreuzestod des Herrn Jesus ist die Befreiung bereits vollbracht. Wir blicken also auf Christus und verstehen: Wir sind durch seinen Tod von der Macht der Sünde befreit (V. 25). Doch diese Erkenntnis allein gibt noch keine Kraft, das Böse zu lassen. Denn als Nächstes lernen wir, dass wir den Heiligen Geist als Kraftquelle in uns besitzen, damit wir den Forderungen der Sünde nicht mehr nachgeben müssen. Das böse Prinzip, die Sünde, ist zwar noch in uns und lässt immer wieder böse Regungen aufkommen. Aber ein stärkeres Prinzip wirkt jetzt in uns: Es ist der Heilige Geist, der dem neuen Leben die Kraft gibt, sich zu entfalten (Röm 8,2). Diese göttliche Person wohnt in uns, leitet uns und beschäftigt uns mit Christus (Röm 8,9-14).
Wie können wir nun in der Kraft des Heiligen Geistes leben? Die Antwort ist zweiteilig:
1) Indem wir uns mit Jesus Christus beschäftigen (2. Kor 3,17.18). Unsere Herzen werden dann von Ihm erfüllt und die Anziehungskraft der Sünde nimmt ab.
2) Indem wir unser Leben Gott zur Verfügung stellen. Solange wir das tun, woran Er Freude hat, dienen wir nicht der Sünde. Wir müssen nicht krampfhaft auf einem gesetzlichen Weg für Gott leben. Der Geist selbst hilft uns, das Gute zu tun (Gal 5,16).
Zusammenfassung in Römer 8,1-4
In Römer 8,1-4 finden wir die Tatsache der Befreiung von der Macht der Sünde zusammengefasst. Diese Verse knüpfen an die Gedanken von Römer 5 – 7 an, gehen aber noch etwas weiter. Sie stellen uns ein befreites Leben als Söhne Gottes in der Kraft und unter der Leitung des Heiligen Geistes vor.
Vers 1. Also ist jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.
Für einen wahren Gläubigen gibt es keine Verdammnis! Wir werden von Gott nie gerichtet oder bestraft. Denn wir sind von Ihm völlig angenommen und in Christus in eine neue Stellung gebracht, obwohl die Sünde noch in uns ist. Was für eine befreiende Tatsache!
Vers 2. Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.
Der Gläubige hat zwei Naturen (vgl. Röm 7,20-25). Er hat ein neues Leben von Gott bekommen und will das Gute tun. Aber er hat auch noch die Sünde in sich wohnend, die nur das Böse tun will, auch nachdem wir uns bekehrt haben. Diese Tatsache müssen wir akzeptieren. Das Prinzip des Geistes des Lebens ist jedoch stärker als das Prinzip der Sünde und des Todes. Das heisst: In der Kraft des Geistes Gottes, der durch das neue Leben wirkt, bin ich vom Zwang zu sündigen befreit. Ich halte im Glauben fest, dass ich der Sünde gestorben bin und dass ich so von ihrer Macht befreit bin. Ich glaube zudem, dass ich jetzt durch die Kraft und Leitung des Heiligen Geistes für Gott leben kann. Allerdings können wir das nur verwirklichen, wenn wir uns mit Christus und dem Wort Gottes beschäftigen. Dadurch bekommt das neue Leben Nahrung und kann sich entfalten. Es gibt kein neutrales Terrain zwischen einem Leben nach dem Fleisch und einem Leben nach dem Geist. Entweder werden wir von der Sünde beherrscht oder vom Heiligen Geist geleitet. Galater 5 zeigt uns das deutlich: «Wandelt im Geist, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt, damit ihr nicht das tut, was ihr wollt» (Gal 5,16.17).
Verse 3.4. Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott, indem er, seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und für die Sünde sendend, die Sünde im Fleisch verurteilte, damit die Rechtsforderung des Gesetzes erfüllt würde in uns, die nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln.
Als natürliche Menschen konnten wir weder das Gute tun, noch uns von der in uns wohnenden Sünde befreien. Darum handelte Gott. Er verurteilte die Sünde am Herrn Jesus. Dieses Gericht über die alte Natur wurde an Ihm vollzogen, als Er am Kreuz in den drei Stunden der Finsternis litt und dann starb. Nun hat Gott uns den Tod seines Sohnes zugerechnet (Kap. 6) und uns so von der Macht der Sünde befreit. Dadurch sind wir durch das neue Leben und den Heiligen Geist fähig, Gott gemäss zu leben (V. 4).
• Die Grundlage für ein Leben zur Ehre Gottes ist die Tatsache, dass wir mit Christus der Sünde gestorben sind. Als Gläubige müssen wir nicht mehr sündigen.
• Die Kraft für ein Gott wohlgefälliges Leben ist der Heilige Geist. Er hilft uns, nicht mehr auf die Regungen der Sünde zu reagieren, sondern für Gott zu leben.
Das neue Leben existiert nicht in einem Vakuum! Darum stellen sich uns die Fragen: Welche Ausrichtung hat mein Leben als Christ? Welche Wünsche und Ziele verfolge ich dabei? Unsere Antwort auf diese Fragen ist für unser tägliches Glaubensleben entscheidend. Zwei Beispiele machen das klar:
• Als Saulus auf dem Weg nach Damaskus eine Begegnung mit dem Herrn Jesus hatte, bekehrte er sich. Aber es geschah noch mehr. Von diesem Augenblick an erfüllte Christus sein Herz und gab seinem Leben eine neue Ausrichtung. Er schreibt darüber in Philipper 3,7.8: «Was irgend mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust geachtet; ja wahrlich, ich achte auch alles für Verlust wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck achte, damit ich Christus gewinne.» Die Welt und das Leben, das sie propagiert, hatte für Paulus jeden Reiz verloren. Er wollte nur noch dem Herrn Jesus nachfolgen und für Ihn leben.
• Bei Demas war das Gegenteil der Fall. Die Welt fand Eingang in sein Herz und gab seinem Leben eine falsche Ausrichtung. Der Apostel musste von ihm sagen: «Demas hat mich verlassen, da er den jetzigen Zeitlauf lieb gewonnen hat» (2. Tim 4,10). Auf diesem Weg in die Welt nimmt der Einfluss der Sünde im Leben zu.
Wir verstehen gut, dass die Einstellung, die Paulus prägte, uns mehr hilft, ein heiliges und treues Leben zu führen, als die Haltung eines Demas, der die Welt lieb gewonnen hatte. Aber niemand entwickelt sich zufällig in diese oder jene Richtung. Die Weichen dazu stellen wir in unserem Herzen. Darum sprechen uns die Worte aus den Sprüchen direkt an:
Behüte dein Herz mehr als alles, was zu bewahren ist; denn von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens (Sprüche 4,23).
Gib mir, mein Sohn, dein Herz, und lass deine Augen Gefallen haben an meinen Wegen! (Sprüche 23,26).
Gott möchte, dass wir als Glaubende nicht sündigen, sondern zu seiner Ehre leben. Er kann das von uns erwarten, weil Er uns vor der ewigen Strafe in der absoluten Gottesferne gerettet und uns unsere Sünden vergeben hat. Zudem hat Er uns so viel Gutes geschenkt und will jetzt nur das Beste für uns:
Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat: wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken? (Römer 8,32).
Seine göttliche Kraft hat uns alles zum Leben und zur Gottseligkeit geschenkt (2. Petrus 1,3).
Er hat uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus (Epheser 1,3).
Er ist ein Erhalter aller Menschen, besonders der Gläubigen (1. Timotheus 4,10).
Seht, welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat, dass wir Kinder Gottes heissen sollen! (1. Johannes 3,1).
Gott hat uns reich beschenkt und gesegnet. Nun dürfen wir alles von Ihm erwarten! Er stillt alle unsere Bedürfnisse und gibt unserem Leben eine echte Erfüllung. Er möchte Gemeinschaft mit uns pflegen und uns in die Geborgenheit seiner Liebe einhüllen (Ps 34,19; Joh 14,23). Dass Gott uns alles zu einem glücklichen Leben geschenkt hat, wollen wir dankbar im Glauben erfassen! Warum? Weil innere Leere oder unbefriedigte Sehnsüchte ein mächtiges Einfallstor für Satan sind. Er knüpft oft an unsere menschlichen Bedürfnisse an und verleitet uns, unser leeres und unzufriedenes Herz auf sündige Weise zu stillen. Dazu bietet er uns etwas Verlockendes an, das wir nur auf dem Weg der Sünde geniessen können. Ein normales menschliches Bedürfnis verbindet sich dann mit einer inneren Leere und Unzufriedenheit zu einem mächtigen Zug zur Sünde. Das ist gerade bei sexuellen Sünden und Habsucht, aber auch bei Hochmut, Neid und Zorn der Fall. Die Bibel ist voll von solchen Beispielen:
• Abraham sehnte sich nach einem Nachkommen, konnte aber Gottes Zeit nicht abwarten. Darum nahm er Hagar zur Frau und zeugte ein Kind mit ihr, was Gott nicht gutheissen konnte.
• Elimelech empfand die Hungersnot wie alle seine Zeitgenossen in Bethlehem. Doch in seinem Herzen hatte das Land Kanaan keine Anziehungskraft mehr für ihn. Deshalb zog er nach Moab.
• Als David gegen Abend vom Nichtstun aufstand, gab er seinem sexuellen Verlangen nach und fiel in eine schwere Sünde.
Mose hingegen hielt die Schmach des Christus und die damit verbundene Belohnung für grösseren Reichtum als die Schätze Ägyptens. Darum wählte er lieber mit dem Volk Gottes Ungemach zu leiden, als den zeitlichen Genuss der Sünde zu haben (Heb 11,24-26). Der Herr war ihm über alles wichtig. Er vertraute darauf, dass Er seinen Bedürfnissen entsprechen würde, und wollte sie deshalb nicht auf einem eigenwilligen oder sündigen Weg stillen. Auch Paulus erwartete alles von seinem Gott. Selbst aus dem Gefängnis konnte er bezeugen, dass er im Herrn genug hatte (Phil 4,11-13). Jesus Christus möchte auch uns diese innere Zufriedenheit geben. Unsere Umstände sind weit besser als die von Paulus. Haben wir nicht viele Gründe unserem Gott zu danken und uns im Herrn zu freuen (Eph 5,20; Phil 4,4)? Die Freude am Herrn ist unsere Stärke (Neh 8,10). Vielleicht bedrängen dich im Alltag manchmal folgende Fragen: Warum darf ich diesen Film nicht anschauen, jenes Vergnügen nicht mitmachen, diese ausgedehnte Shoppingtour nicht unternehmen? Solange uns diese Einstellung prägt, finden wir in der Freude am Herrn keine Kraft. Wir stehen uns selbst im Weg und merken nicht, dass wir alles besitzen, um ein glückliches Leben mit dem Herrn zu führen. Mit Christus haben wir es doch viel besser als unsere ungläubigen Kollegen, die ihre Erfüllung in dem suchen, was die Welt bietet, das Herz aber nie befriedigen kann (1. Joh 2,15-17). David, der Dichter von Psalm 23, ist ein positives Beispiel für ein Leben, in dem Gott alle Bedürfnisse stillt. Er musste viel Schweres ertragen und manches Gute entbehren. Dabei lernte er, dass Gott ihm völlig genügte. Im Glauben erklärte er: «Mir wird nichts mangeln!» Wieso konnte er das sagen? Weil alles rund lief? Nein, weil der Herr selbst sein Hirte war. David hatte erfasst, dass Gott selbst ihm Nahrung und Ruhe gab, ihn erquickte, wiederherstellte und leitete (V. 2.3). Aber mehr noch: Er fand bei seinem Gott Hilfe, Trost und Gemeinschaft. (V. 4.5). Für sein weiteres Leben wusste David: Güte und Huld werden mich begleiten, weil Gott für mich und mit mir ist. Auch seine Zukunft über den Tod hinaus war geordnet: Er würde ewig im Haus des Herrn wohnen (V. 6). David war von Gott reich gesegnet und lebte in glücklicher Gemeinschaft mit Ihm.
Auf Jesus Christus ausgerichtet sein
Der Ausdruck «in Christus» kommt im Neuen Testament wiederholt vor:
• Was unsere neue Stellung betrifft, so stehen wir «in Christus», d. h. in seiner Vollkommenheit vor Gott (Röm 8,1).
• Was unsere neue Lebenspraxis betrifft, so können wir nur «in Christus», d. h. in einer lebendigen Verbindung mit Ihm für Gott leben (Röm 6,11).
Alles, was wir haben und sind, ist uns aus Gnade und in Christus geschenkt. In Ihm besitzen wir Vergebung der Sünden, in Ihm stehen wir in einer neuen Stellung vor Gott. Aber auch unser tägliches Leben können wir nur «in Christus» führen. «Ausser mir könnt ihr nichts tun», sagt unser Heiland (Joh 15,5). Ausserhalb von Ihm sind wir hoffnungslose Fälle. Das freimachende, stärkere Prinzip (Röm 8,2) «funktioniert» nur in Ihm. Darum müssen wir auf Christus ausgerichtet sein, uns täglich mit Ihm beschäftigen und eine lebendige Glaubensbeziehung zu Ihm pflegen. Das Beispiel von Paulus zeigt uns, welchen Wert es hat, mit Christus beschäftigt zu sein. In Ihm hatte er seinen Lebensinhalt gefunden. An Ihm prüfte er nun alles (Phil 1,21; 3,7-16). Denken wir auch an Mose. Er musste zwischen einem sündigen Leben in Ägypten und dem Leben mit dem verachteten Volk Gottes wählen. Der Ausschlag für seine Entscheidung gab die Schmach des Christus und die damit verbundene Belohnung. So kehrte er der Welt den Rücken zu und stellte sich konsequent auf Gottes Seite. Und wir? Versuchen wir noch auf beiden Seiten zu hinken? Wenn wir uns mit dem beschäftigen, was die Welt bietet, müssen wir uns nicht wundern, wenn wir gegen die Forderungen der Sünde keine Kraft haben. Nur Jesus Christus ist gesunde Nahrung für das neue Leben. Vergessen wir nicht: Das, was in der Welt ist, hat keinen neutralen Einfluss auf uns! Glauben wir unserem Herrn, wenn Er sagt, wir könnten nicht zwei Herren dienen? Barnabas ermahnte die Gläubigen, mit einem festen Entschluss beim Herrn zu bleiben (Apg 11,23). Das beginnt mit einer grundsätzlichen Ausrichtung auf Jesus Christus. Wir möchten bei Dem bleiben, der uns erlöst hat. Aber im Alltag soll auf diese Entscheidung eine regelmässige Beschäftigung mit dem Herrn Jesus folgen. Wie geschieht das ganz praktisch?
Im Wort nach Jesus Christus forschen
Wenn wir die Bibel lesen, wird uns der Herr Jesus immer wieder vorgestellt. Wir sind dann mit Ihm beschäftigt, freuen uns über Ihn und lernen von Ihm. Das wird uns verändern. Wir werden immer mehr auf Ihn ausgerichtet und bekommen Kraft, zum Bösen Nein zu sagen. Weil wir in Ihm etwas Besseres besitzen und Ihm gefallen möchten, geben wir den Wünschen der in uns wohnenden Sünde nicht nach (2. Kor 3,18; Heb 12,1-3; Eph 4,20-24). Wir lernen Jesus Christus kennen, wie Er als Mensch auf der Erde lebte, wie Er zu den Leuten redete und mit ihnen umging. Wir sehen seine Hingabe an Gott, die sich in seiner Abhängigkeit, seinem Gehorsam und seinem Vertrauen zeigte, und zwar bis zum Tod am Kreuz. Er ist unser grosses Vorbild. In seinen Fussstapfen dürfen wir Ihm nachfolgen (1. Pet 2,21-23). Das Wort Gottes zeigt uns auch, dass Er am Kreuz deine und meine Sünden im Strafgericht Gottes trug. Wenn wir unseren Heiland durch regelmässiges Bibellesen so vor unseren Herzensaugen haben, fällt es uns leichter, praktisch den Sünden abgestorben zu leben. Die Anziehung der Sünden, für die Jesus Christus litt, wird abnehmen und die Abscheu vor bösen Taten, über die Gott das Gericht an meinem Heiland vollzog, wird zunehmen (1. Pet 2,24.25). Aus der Bibel lernen wir auch, wie Christus aus Liebe zu Gott, zu seiner Versammlung und zu dir und mir am Kreuz gestorben ist. Wir sehen Ihn als den Auferstandenen aus den Toten, der jetzt im Himmel bei Gott zu seiner Rechten ist. Dort sitzt Er auf dem Platz, den Gott Ihm als Lohn für das vollbrachte Erlösungswerk gab. Dieser Blick zu Ihm zieht uns innerlich zum Himmel und macht uns auf der Erde zu Fremden. Das tägliche Bibellesen ist eine Grundvoraussetzung, um im Glaubensleben gegen die Forderungen der Sünde zu siegen. Gott nennt den «glückselig», der sich vom Bösen fernhält, sein Wort liest und darüber nachdenkt (Ps 1,1-3). Der Dichter von Psalm 119 fragte sich einmal, wie ein junger Mann seinen Weg in Reinheit gehen kann. Ist das nicht eine Frage, die sich auch heute aufdrängt? Er gibt gleich selbst die Antwort: Indem er sich durch das Wort Gottes behüten lässt, den Herrn von ganzem Herzen sucht und sein Wort im Herzen bewahrt (Ps 119,9‑11). Auch der zweite Brief an Timotheus zeigt uns, wie wichtig die Bibel für unseren Alltag ist: Das Wort Gottes gibt uns Weisheit zur (täglichen) Errettung, ist nützlich zur Belehrung, damit der Mensch Gottes vollkommen sei (2. Tim 3,14-17; siehe auch Spr 2,1-14). Auch in der heutigen Zeit werden wir die reinigende, verändernde und prägende Kraft des Wortes Gottes erleben, wenn wir die Bibel aufrichtig, mit Gebet lesen und über das Gelesene nachdenken. Einen wichtigen Stellenwert in unserem Leben soll auch der Besuch der Zusammenkünfte der Gläubigen haben. Dort wird Gottes Wort regelmässig gepredigt. Betest du dafür, dass der Herr dir durch die Verkündigung seines Wortes einen Segen schenkt?
Im Glaubensleben geht nicht immer alles glatt. Da treten Schwierigkeiten aller Art auf. Wie begegnen wir ihnen? Sind wir bereit, Probleme zu überwinden und Leiden zu ertragen? Oder suchen wir immer den Weg des geringsten Widerstands – auch auf Kosten praktischer Gerechtigkeit und Heiligkeit? Wenn wir als Glaubende grundsätzlich leidensscheu sind, leben wir ein gefährliches Christenleben. Die Bibel stellt uns verschiedene Arten von Leiden vor, denen wir auf dem Glaubensweg begegnen. Zum besseren Verständnis und zur Unterscheidung wollen wir einige nennen:
Leiden als Folge des Sündenfalls
Wir leben in einer gefallenen Schöpfung. Seit dem Sündenfall werden Menschen krank und alt. Das bringt Leiden mit sich (Röm 8,18-23; 2. Kor 4,16). Die menschliche Gesellschaft wünscht sich ein Leben ohne Leiden. Doch das gibt es auf der Erde nicht. Trotzdem gilt: Wir müssen nicht unnötig leiden. Dankbar dürfen wir von der Medizin Gebrauch machen, sofern die gewählten Methoden, um das Leid zu lindern, die Zustimmung Gottes finden.
Leiden als Resultat der Nachfolge
Auch in einer konsequenten Nachfolge des Herrn Jesus erfahren wir Widerstand und Leiden. Sie sind eine Folge davon, dass die Welt den ewigen und allmächtigen Schöpfer-Gott und besonders seinen Sohn, Jesus Christus, ablehnt (Joh 15,18-21; 16,33).
Leiden um der Gerechtigkeit willen
Wir bekommen Schwierigkeiten und erfahren Nachteile wenn wir nach Gottes Massstäben handeln und beim Bösestun nicht mitmachen (1. Pet 2,20b; 3,14). Manchmal leiden wir ganz einfach als Christen (1. Pet 4,12-16). In 2. Timotheus 3,12 stellt Paulus den allgemeinen Grundsatz auf: «Alle aber, die gottselig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden.» Jakobus ermahnt uns schliesslich, in solchen Schwierigkeiten und Leiden geduldig auszuharren (Jak 5,7-11).
Leiden im Dienst für den Herrn
Der Dienst für den Herrn bringt nicht nur Freude, sondern auch Verzicht, Schwierigkeiten und Leiden mit sich. Paulus war das auserwählte Werkzeug Gottes, um die Wahrheit über die Versammlung und die himmlische Berufung der Gläubigen der Gnadenzeit zu verkünden. Darum erfuhr er in besonderem Mass Leiden im Dienst für den Herrn (Kol 1,24; 2,1; 2. Tim 2,9‑10; 2. Kor 7,5; 1. Kor 4,11-13).
Leiden, weil wir der Versuchung nicht nachgeben
Auf diese Art von Leiden möchte ich etwas ausführlicher eingehen, da sie unser Thema besonders betrifft.
Da nun Christus für uns im Fleisch gelitten hat, so wappnet auch ihr euch mit demselben Sinn; denn wer im Fleisch gelitten hat, ruht von der Sünde, um die im Fleisch noch übrige Zeit nicht mehr den Begierden der Menschen, sondern dem Willen Gottes zu leben (1. Petrus 4,1.2).
Jesus Christus wird auch in diesen Leiden als unser grosses Vorbild vorgestellt. Er war Mensch wie wir, aber ohne Sünde. Er kannte die im Menschen wohnende Sünde nicht und tat nie eine Sünde. Anbetend erkennen wir dies. Trotzdem machte der Teufel Ihm in der Wüste den Vorschlag, Er solle Gott ungehorsam sein und sündigen. Er sprach zu Ihm: «Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich, dass diese Steine zu Broten werden » (Mt 4,3). Der Teufel wollte, dass Jesus eigenwillig seinen Hunger stillte. Aber der Herr ging nicht darauf ein. Das bedeutete Leiden für Ihn. Er litt lieber, als dass Er Gott ungehorsam gewesen wäre. Er litt lieber Hunger, als eigenmächtig aus Steinen Brot zu machen. Auch später erduldete Er lieber Gefangennahme, Spott, Geisselhiebe, Kreuzigung und Tod, als sich auf unrechte Weise zu helfen. Ein Glaubensmann schrieb dazu: «Praktische Heiligkeit kostet Leiden in dieser Welt. Die Bereitschaft zum Leiden ist der Weg, auf dem in der Praxis Kraft gegen die Sünde gefunden wird.» Lieber leiden als sündigen! Das soll auch uns kennzeichnen. Diese Bereitschaft zum Leiden wird im täglichen Leben Auswirkungen haben:
• Ich leide, wenn ich der lockenden Versuchung zur Sünde, die kurzzeitiges Vergnügen verspricht, nicht nachgebe. Das Fleisch in mir ist dann nicht zufrieden.
• Ich leide, wenn meine Kollegen etwas Schlechtes tun oder ansehen und ich nicht mitmache. Denn die böse Begierde in mir würde sich gern an dieser Sünde beteiligen. Zudem lachen mich die Kollegen aus und lassen mich vielleicht links liegen.
• Ich leide, wenn ich bei der Arbeit keine Betrügereien mitmache. Ich verärgere damit unter Umständen den Vorgesetzten und muss deswegen gewisse Nachteile in Kauf nehmen.
Du kannst bestimmt weitere Beispiele aus deinem Leben hinzufügen. Du leidest, weil du nicht sündigen willst, hast dabei aber ein gutes Gewissen. Das ist das eine. Das andere ist die göttliche Verheissung: Du kommst in deinem Inneren zur Ruhe. Die böse Lust verfliegt und du merkst: Ich muss das Böse gar nicht tun! Dabei wird dein Herz froh. Du ruhst von der Sünde, weil du sie nicht getan hast, und erfährst, wie du in der Kraft des Heiligen Geistes den Forderungen der Sünde widerstehen kannst. Aber die Verlockung der Sünde zum Bösen musst du ertragen. Du darfst ihr nicht nachgeben. Du kannst dich auch entscheiden, das Böse zu tun. Das ist viel einfacher als zu gehorchen. Das Fleisch ruht dann in der Sünde, weil seine Wünsche befriedigt sind. Doch du ruhst nicht! Im Moment brauchst du zwar nicht zu leiden, aber nachher umso mehr: Dein schlechtes Gewissen plagt dich und du musst die schlimmen Folgen begangener Sünden ertragen. Vergiss zudem nicht: Das Fleisch ruht nicht lang, es will bald von neuem befriedigt werden.
Ich möchte diesen wichtigen Gedanken an einem Beispiel illustrieren:
Manchmal will ein kleines Kind genau das tun, was die Eltern verboten haben. Um dies zu erreichen, trotzt und schreit es. Wie reagieren die Eltern darauf? Wenn sie trotz des Geschreis nicht nachgeben, wird sich das Kind irgendwann beruhigen. Es ruht von dem Wunsch, den es eben noch hatte. Mit der Zeit lernt es, dass der Wille der Eltern gilt und Schreien nichts nützt. Es ruht vom Eigenwillen. Dieser Prozess bedeutet Leiden für die Eltern, sie müssen das Schreien ertragen. Was passiert aber, wenn die Eltern nachgeben? Sie haben zwar im Moment Ruhe von ihrem schreienden Kind. Aber das Kind weiss nun, dass es mit Trotzen und Schreien seine Wünsche erfüllen kann. So wird es in zunehmendem Mass seine Eltern tyrannisieren. Der kurzzeitige Leidensdruck ist weg, aber langfristig werden die Schwierigkeiten für die Eltern grösser.
Die Bibel stellt uns sowohl im Alten wie im Neuen Testament das Prinzip vor: Leiden jetzt – Herrlichkeit danach! Viele Glaubenshelden haben diesen Grundsatz in ihrem Leben erfahren. Such einmal danach! Der Herr Jesus hat uns diese Leidensbereitschaft vorgelebt. Von Ihm wollen wir lernen und uns mit seiner Gesinnung wappnen!
Die richtige Ausrichtung ist für ein siegreiches Christenleben entscheidend:
• Wenn wir darauf vertrauen, dass Gott allen unseren Bedürfnissen richtig begegnen und uns echte Lebenserfüllung geben kann, werden wir nicht versuchen, unsere Wünsche auf einem sündigen Weg zu stillen.
• Wenn wir uns im Wort Gottes mit Jesus Christus beschäftigen, wird seine herrliche Person unser Herz erfüllen und unser Leben zum Guten beeinflussen.
• Wenn wir bereit sind, für den Herrn Jesus und für ein Leben zur Ehre Gottes zu leiden, werden wir den Forderungen der Welt und der in uns wohnenden Sünde nicht nachgeben, obwohl dies Nachteile und Leiden für uns bedeutet.
Neben der grundsätzlichen Lebensausrichtung entscheidet auch mein konkretes Verhalten im Alltag, ob ich eine Niederlage nach der anderen erlebe oder ob ich mich mit der Hilfe des Herrn praktisch der Sünde für tot halte. Dazu möchte ich dir anhand des Wortes Gottes einige Tipps geben. Sie sollen dir einerseits helfen, nicht laufend in Sünde zu fallen. Anderseits zeigen sie dir, wie du nach einem Fall wieder aufstehen und neu zur Ehre Gottes leben kannst.
Sich mit Gutem zu beschäftigen, hat immer eine positive Auswirkung auf unser Glaubensleben. Paulus empfiehlt uns das ausdrücklich:
Im Übrigen, Brüder, alles, was wahr, alles was würdig, alles, was gerecht, alles, was rein, alles, was lieblich ist, alles, was wohllautet, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob gibt, dies erwägt (Philipper 4,8).
Denken wir daran: «Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter» (Jak 1,17). Je mehr wir uns an all dem Guten freuen, das Gott uns gibt, desto weniger reizt uns der Genuss der Sünde. Nach diesem Grundsatz handeln wir auch als Eltern mit unseren Kindern. Wir geben ihnen gute Spielsachen und gesunde Literatur, damit sie sich mit dem beschäftigen, was Gottes Massstäben entspricht. Dadurch wird ihr Leben positiv beeinflusst.
Ein Leben in echter Frömmigkeit besteht aus einem gesunden Mass an Arbeit, Ruhe, körperlicher und geistiger Tätigkeit, Essen, Schlafen und Kontakt mit anderen Menschen. Das ist wichtig für ein ausgeglichenes Glaubensleben und bewahrt uns vor mancher Versuchung zur Sünde. Als Christen müssen wir nicht überspannt sein. Wir können nicht den ganzen Tag in der Bibel lesen. Es gilt in allem nüchtern zu sein, aber mit der rechten Lebensausrichtung (2. Tim 4,5; 1. Pet 1,13). Die Einstellung der Thessalonicher zeigt uns, wie wir echt für Gott leben können. Sie hatten sich von den Götzenbildern zu Gott bekehrt, um Ihm zu dienen und seinen Sohn, Jesus Christus, aus den Himmeln zu erwarten (1. Thes 1,9.10). Diese Lebenshaltung gab ihren Tätigkeiten im Alltag die richtige Ausrichtung.
Für ein Leben zur Ehre Gottes kommt es auch darauf an, welchen Umgang wir mit welchen Menschen pflegen. Salomo erklärt uns:
Wer mit Weisen umgeht, wird weise; aber wer sich zu Toren gesellt, dem wird es schlecht ergehen (Sprüche 13,20).
Paulus stellt zudem den Grundsatz auf: «Böser Verkehr verdirbt gute Sitten» (1. Kor 15,33). Das lässt sich sowohl auf den Umgang mit Menschen, die Gott nicht kennen, als auch auf den Kontakt mit Christen anwenden.
Im Umgang mit Gläubigen dürfen wir nicht blauäugig sein. Manche Kontakte fördern unser Glaubensleben nicht. Paulus ermahnt Timotheus in seinem letzten Brief, sich von Christen – echten oder unechten – zu trennen, die ungerecht leben oder mit Ungerechtigkeit in Verbindung stehen. Wer sich von ihnen wegreinigt, ist für Gott nützlich (2. Tim 2,21). Konkret bedeutet das für uns, dass wir Kontakte mit Christen abbrechen, die dem Wort Gottes bewusst nicht gehorchen wollen. Das führt uns aber nicht in die Isolation, sondern in die Gemeinschaft mit denen, die den Herrn aus reinem Herzen anrufen. Das sind Gläubige, die dem Herrn aufrichtig und von Herzen gehorchen möchten, und zwar sowohl in ihrem persönlichen Leben als auch auf dem gemeinsamen Weg der Kinder Gottes. Die Gemeinschaft mit solchen Christen wird eine positive Auswirkung auf unser Leben haben. Gegenseitig können wir einander im Glaubensleben eine Hilfe sein.
Wir sind alle beeinflussbar! Keiner von uns ist besser als Eva, die im Garten Eden auf die Einflüsterungen des Teufels hörte. Auch Joas kann uns als warnendes Beispiel dienen. Solange er auf den gottesfürchtigen Priester Jojada hörte, tat er, was recht war in den Augen des Herrn. Doch nach dem Tod des Hohenpriesters liess er sich von der gottlosen Führungsschicht zum Götzendienst verleiten (2. Chr 24,2.17.18). Wer meint, er sei immun gegen das, was er hört und sieht, ist hochmütig und lebt auf dünnem Eis. Schlechte Kontakte schaden unserem Glaubensleben. Wir müssen zwar nicht unnötig Angst haben, aber doch vorsichtig sein.
Vielleicht ist in diesem Zusammenhang ein Wort zur Berufswahl angezeigt. In der Ausbildung zu manchen Berufen muss man sich viel mit Menschenweisheit und ungöttlichen Grundsätzen beschäftigen. Das beeinflusst uns und kann unser geistliches Leben gefährden. Treffen wir deshalb die Entscheidung für die Berufsausbildung mit dem Herrn! Dann kann Er uns im Studium auch davor bewahren, dass unser Glaube ins Wanken gerät.
Das Böse dringt ganz unterschiedlich auf uns ein und will uns auf dem Glaubensweg aufhalten oder gar zu Fall bringen. Wie können wir uns davor schützen? Indem wir zum Bösen auf Distanz gehen. Die Bibel zeigt uns, dass sich diese ablehnende Reaktion nicht immer gleich äussert. Ich möchte drei Aspekte vorstellen: fernhalten, widerstehen und fliehen.
a) Fernhalten
Von jeder Art des Bösen haltet euch fern! (1. Thessalonicher 5,22).
Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe. Lasst uns nun die Werke der Finsternis ablegen, die Waffen des Lichts aber anziehen. Lasst uns anständig wandeln wie am Tag; nicht in Schwelgereien und Trinkgelagen, nicht in Unzuchthandlungen und Ausschweifungen, nicht in Streit und Neid; sondern zieht den Herrn Jesus Christus an, und treibt nicht Vorsorge für das Fleisch zur Befriedigung seiner Begierden (Römer 13,12-14).
Wenn wir Gott gefallen möchten, ist es notwendig, dass wir uns vom Bösen fernhalten. Das hat zwei Gründe:
1) Gott fordert uns schlicht und einfach dazu auf, weil Er von uns erwarten kann, dass wir heilig, das heisst vom Bösen abgesondert und zu Ihm hingewandt leben (1. Pet 1,15). Gott ist heilig und absolut getrennt von der Sünde. Darum sollen auch wir, die wir seine Kinder sind, nicht mit Bösem in Verbindung stehen. Absonderung heisst aber nicht Isolation von anderen Menschen. Wir gehören nicht mehr zur Welt, leben aber noch in ihr und haben durchaus Kontakt mit ungläubigen Menschen (Joh 17,11.14; 1. Kor 5,9-10). Aber wir distanzieren uns von dem, was ihr Leben ausmacht. Psalm 1,1 kann uns da eine Hilfe sein: «Glückselig der Mann, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen und nicht steht auf dem Weg der Sünder und nicht sitzt auf dem Sitz der Spötter.» Da werden wir aufgefordert,
• erstens die gottlosen Prinzipien abzulehnen, die das Leben der Ungläubigen leiten;
• zweitens ihre sündigen Verhaltensweisen nicht zu übernehmen und
• uns drittens nicht unnötig in ihrer Gesellschaft aufzuhalten.
Denken wir daran: Freundschaft mit der Welt ist Feindschaft gegen Gott (Jak 4,4). Am Arbeitsplatz oder in der Schule können wir uns die Kollegen meistens nicht aussuchen. Da kommen wir auch mit Ungläubigen in Kontakt. In dieser Situation wollen wir auf zweierlei achten:
• dass wir durch unser Verhalten ein Zeugnis für Gott sind und
• dass wir den Umgang mit ungläubigen Menschen nicht unnötig ausdehnen und in ihrem gottlosen Treiben nicht mitmachen (Eph 5,7-11; 1. Pet 4,3.4).
2) Der Gläubige hat das Fleisch noch in sich. Dieses wird von allem, was sündig ist, angezogen. Wenn wir unsere alte Natur mit der ihr angenehmen Nahrung versorgen, werden wir das mit einem zunehmenden Zug zur Sünde ernten. Das Prinzip von Saat und Ernte aus Galater 6,7 findet dann seine unmittelbare Anwendung. Besonders wichtig ist dieses Sich-Fernhalten vom Bösen dann, wenn uns sündiges Verhalten zur Gewohnheit geworden ist, egal ob vor oder nach der Bekehrung. Das Fleisch vergisst nie mehr, woran es einmal besonders Gefallen gefunden hat. Ein sündiges Leben hinterlässt immer seine Spuren und erfordert umso mehr ein konsequentes Sich-Fernhalten.
Paulus ermahnt uns, keine Vorsorge für das Fleisch zu treiben (Röm 13,13.14). Wir sollen nicht das Fleisch mit Nahrung versorgen, sondern unser neues Leben fördern. Was hast du in deinem Haus? Wo findest du deine Ablenkungen? Womit beschäftigst du dich in der Freizeit? Mit welchen Menschen pflegst du Gemeinschaft? Wo surfst du im Internet? Wenn du in deinem Leben manches duldest, was deine fleischlichen Wünsche anspricht, musst du dich nicht darüber wundern, dass du keine geistlichen Fortschritte machst und dir die Freude am Herrn Jesus verloren geht.
b) Widerstehen
Widersteht dem Teufel, und er wird von euch fliehen (Jakobus 4,7).
Die Versuchung des Teufels besteht hauptsächlich darin, uns vom Weg der Abhängigkeit von Gott und des Gehorsams gegenüber seinem Wort abzubringen. Das sehen wir, als er Eva verführte oder Jesus Christus versuchte (1. Mo 3,1-5; Mt 4,3-10; 16,23). Eine Verführung zum Ungehorsam gegen Gott und sein Wort kommt immer direkt vom Teufel. Wenn dein Schuloder Arbeitskollege dir eine Handlung vorschlägt, die Gott nicht gefällt, dann steht der Teufel dahinter, der dich zum Ungehorsam verleiten möchte. Wie wir aus dem Beispiel von Petrus erkennen, kann er leider auch Glaubende dazu benutzen (Mt 16,23).
Diesen Angriffen müssen wir mit aller Entschiedenheit widerstehen. Konkret heisst das: Wir bleiben auf dem Standpunkt des Gehorsams und der Abhängigkeit von Gott stehen und lassen uns weder durch das Brüllen Satans noch durch seine List davon abbringen (1. Pet 5,8.9; 2. Kor 11,14). Eine gute Hilfe dazu ist uns das Wort in Jakobus 4,7, das der Aufforderung zum Widerstehen vorangeht: «Unterwerft euch nun Gott.» Wenn wir grundsätzlich bereit sind, Gottes Autorität in unserem Leben anzuerkennen, fällt es uns leichter, im Alltag seine Anweisungen zu befolgen. Der Teufel findet dann nicht so schnell einen Anknüpfungspunkt in uns.
Weiter hilft uns eine gute Kenntnis von Gottes Wort und seinen Gedanken, die Angriffe Satans abzuwehren. Da ist der Herr Jesus unser Vorbild. Er kam, um den Willen Dessen zu tun, der Ihn gesandt hatte (Joh 6,38). Als der Teufel Ihn versuchte, benutzte Er nicht seine göttliche Allmacht, um ihm zu widerstehen, sondern das Wort Gottes. Als Mensch stellte Er sich völlig unter die Autorität des Wortes und nahm es als verbindliche Richtschnur für sein Leben. Dreimal erwiderte Er: «Es steht geschrieben!» und zitierte dabei aus dem 5. Buch Mose. Als der Teufel sogar selbst eine (unvollständige) Bibelstelle anführte, diskutierte unser Heiland nicht mit ihm, sondern stellte diesem listigen Angriff des Feindes einen schlichten und doch machtvollen Bibelvers entgegen, der die Angelegenheit ins rechte Licht rückte.
Auch im Leben der «Jünglinge», an die Johannes in seinem ersten Brief schreibt, steht das Wort Gottes im Zentrum. Es ist die prägende Grundlage ihres Lebens. Dadurch sind sie stark und können den Bösen überwinden (1. Joh 2,14-17). Das Wort Gottes ist mächtig, es ist ein Schwert! (Eph 6,17). Wir wollen es weise und abhängig vom Herrn benutzen, um dem Teufel zu widerstehen. Natürlich nicht auf eine rituelle Art, eine Art Bannspruch, sondern indem es eine lebendige Wirklichkeit für uns ist. Darum ist es nützlich, Bibeltexte auswendig zu lernen. Diese Bibelverse stehen uns im Glaubenskampf jederzeit zur Verfügung.
c) Fliehen
Flieht die Hurerei! (1. Korinther 6,18).
Flieht den Götzendienst! (1. Korinther 10,14).
Die aber, die reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstrick und in viele unvernünftige und schädliche Begierden. Denn die Geldliebe ist eine Wurzel alles Bösen, der nachstrebend einige von dem Glauben abgeirrt sind und sich selbst mit vielen Schmerzen durchbohrt haben. Du aber, o Mensch Gottes, fliehe diese Dinge (1. Timotheus 6,9‑11).
Vielleicht überrascht es uns, dass wir etwas fliehen sollen, worüber das Prinzip des Geistes des Lebens stärker ist. Aber Gott weiss, dass wir schwache Menschen sind und dass diese Sünden uns schnell überwältigen können und verheerende Auswirkungen für unser persönliches Leben und auf unsere Beziehungen haben. Gerade Sünden wie Hurerei, sexuelle Unreinheit und Habsucht gewinnen schnell und mit grosser Kraft Macht über uns, wenn wir ihnen Raum geben (Eph 5,3). Wie schlimm sind diese Sünden! Wie gravierend wird unser geistliches Leben durch sie ruiniert! Das wird uns besonders in den Anfangskapiteln der Sprüche, aber auch in 1. Timotheus 6,6-10 vor Augen gestellt. Darum gibt es nur eins: Flieht die Hurerei! Flieht die Geldliebe!
Auch den Götzendienst sollen wir fliehen. Warum? Weil dahinter Dämonen stehen, die ihre böse Macht ausüben. Wirklicher Götzendienst tritt bei uns wohl selten auf. Trotzdem ist Okkultismus und der Umgang mit bösen Mächten (Horoskop, Wahrsagerei usw.) auch bei uns weit verbreitet. Dämonische Mächte sind eine Realität. Nie dürfen wir uns mit ihnen einlassen!
Bei all diesen Sünden hilft nur ein konsequentes Wegschauen und Fliehen. Konkret heisst das: Wir sollen uns von vornherein davon abwenden und Situationen, die uns zu Fall bringen könnten, meiden. Ausserdem dürfen wir nie mit der Sünde spielen und uns keinesfalls in eine Versuchung begeben, weil wir unsere vermeintliche Stärke beweisen wollen. Falls wir jedoch unerwartet einer Versuchung ausgesetzt werden, gilt es, möglichst schnell aus der Gefahrenzone zu fliehen. Zudem sollen wir nie leichtfertig über diese gravierenden Sünden reden (Eph 5,3).
Willst du ein glückliches Leben als Christ führen? Dann setze alles daran, diese Sünden zu meiden. Flieh um jeden Preis, damit du dich nicht verunreinigst und versündigst!
Die Frage ist auch hier: Will ich ein bisschen mit der Welt und der Sünde spielen, ein bisschen moralische Unreinheit oder Habsucht in meinem Leben tolerieren? Schaue ich mir Filme an oder lese ich Bücher, die mich verunreinigen? Hänge ich mein Herz ans Geld oder häufe ich materielle Dinge auf, die ich nicht brauche?
Oder bin ich bereit, mich Gottes Standard über sexuelle Reinheit im Umgang mit dem anderen Geschlecht und mit mir selbst zu stellen? Bejahe ich seine Gedanken über das Verhältnis des Christen zum Geld und materiellen Besitz? Bin ich auch bereit mit der nötigen Entschiedenheit und Konsequenz diesbezüglich mein Leben zu führen?
Ein eindrückliches Beispiel ist Joseph. Bei seinem Vater lebte er in einer Atmosphäre der Gemeinschaft und des Gehorsams (1. Mo 37,3.13). Dann wurde er von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft und dort – weit weg vom Elternhaus – zur Hurerei verführt. Doch er begegnete dieser Versuchung mit einem Herzensentschluss: «Wie sollte ich diese grosse Bosheit tun und gegen Gott sündigen?» Als die Frau nicht locker liess, floh er schliesslich (1. Mo 39,7-12). So blieb er rein und bewahrte ein gutes Gewissen. Dieser Weg steht auch uns offen! Wenn wir aber keine Gemeinschaft mit Jesus Christus pflegen und Gottes Willen für unser Leben missachten, werden wir keine Kraft zum Fliehen haben. Beginnen wir sogar, mit der Sünde zu spielen, so müssen wir uns nicht wundern, wenn unser Weg dem von Juda gleicht (1. Mo 38).
In 2. Timotheus 2,22 fordert Paulus jeden von uns auf: «Die jugendlichen Begierden fliehe.» Damit meint er nicht direkt moralische Verfehlungen, sondern die Ungeduld und den Übermut der Jugend. Dieser jugendliche Leichtsinn ist für unser Glaubensleben schädlich. Wie schnell begeben wir uns unbekümmert in Gefahr und fallen in Versuchung. Darum gilt auch hier: Flieht die jugendlichen Begierden!
Die aber des Christus sind, haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und den Begierden (Galater 5,24).
Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind: Hurerei, Unreinheit, Leidenschaft, böse Lust und Habsucht, die Götzendienst ist ... Jetzt aber legt auch ihr das alles ab: Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, schändliches Reden aus eurem Mund (Kolosser 3,5.8).
Legt nun ab alle Bosheit und allen Trug und Heuchelei und Neid und alles üble Nachreden (1. Petrus 2,1).
Wir nehmen jeden Gedanken gefangen unter den Gehorsam des Christus (2. Korinther 10,5).
Wir sind der Sünde gestorben und besitzen ein neues Leben, das das Gute tun will. Zudem wohnt der Heilige Geist in uns, der diesem neuen Leben Kraft gibt und es leitet. Dennoch wird sich die alte Natur, das Fleisch, immer wieder bemerkbar machen. Es ist wie bei einem abgehauenen Baum. Der Baumstrunk treibt immer wieder Schösslinge. Das darf uns weder überraschen noch erschüttern, denn das Fleisch verbessert sich auch im Gläubigen nicht. Doch es soll in unserem Leben nicht mehr zum Zug kommen: Wir wollen das Böse weder in Gedanken noch in Taten tolerieren.
Im Kolosser-Brief sagt uns Paulus wie wir diesen Regungen begegnen sollen. Er braucht dafür ein starkes Wort: Tötet nun! Was bedeutet das konkret? Es gilt, diese Regungen (wörtlich Glieder), die oft in unseren Gedanken beginnen, mit aller Entschiedenheit im Herzen und auch vor dem Herrn als böse zu verurteilen. In der Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus (Kol 3,1.2) und im Fernhalten vom Bösen bekommen wir die Kraft, diese Regungen zu überwinden, bzw. zu töten oder abzulegen (Kol 3,5-8).
Beachten wir: Es geht nicht darum, das Fleisch, die alte Natur, zu verurteilen – Gott hat das bereits an seinem eigenen Sohn getan (Röm 8,3). Vielmehr gilt es, die Schösslinge im Selbstgericht zu entfernen. Die Tatsache, dass sündige Gedanken oder Begierden entstehen, ist noch keine Verfehlung. Erst wenn wir ihnen in unserem Herzen Raum geben und dabei unserer Fantasie freien Lauf lassen, sündigen wir. Auch wenn es wegen fehlender Wachsamkeit zu sündigen Taten gekommen ist, müssen wir sie vor Gott – und wenn nötig vor Menschen – bekennen und als böse verurteilen.
Die Bedeutung des Selbstgerichts ist, die Regungen und Taten des Fleisches schonungslos zu verurteilen! In 1. Korinther 11,28-32 geht der Apostel darauf ein, wenn er uns auffordert: «Jeder aber prüfe sich selbst.» Wir beurteilen uns im Licht des Wortes Gottes und nehmen Gottes Haltung gegenüber dem Bösen in unserem Leben ein. Es gilt, alles zu verurteilen, was Er verurteilt. Dieses konsequente Selbstgericht können wir nur in Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus ausüben. Nur in seiner Nähe denken wir gleich über die Sünde wie Er. Auch das Nachdenken über sein Erlösungswerk hilft uns, die Regungen des Fleisches zu verurteilen. Wenn wir uns bewusst sind, wie viel Er gelitten hat, als Er für uns zur Sünde gemacht wurde, dann nehmen wir es mit der Sünde ernst.
Während das «Töten» sich auf sichtbares und offensichtlich Böses bezieht, so hat das «Ablegen» mehr mit unseren Gefühlen und Worten zu tun. Sind wir wütend auf unsere Glaubensgeschwister, auf unseren Ehepartner, auf unsere Kinder? Oder haben wir uns angewöhnt, es mit der Wahrheit nicht genau zu nehmen und unsere Mitmenschen mit unseren Aussagen zu täuschen? Alle diese Sünden gilt es konsequent abzulegen, indem wir sie dem Herrn – und wenn nötig auch Menschen – bekennen und Ihn bitten, uns zu verändern. In unserem Leben sollen nicht die Werke des Fleisches sichtbar werden, sondern Christus und die Frucht des Geistes (Gal 5,19-22).
In der Bibel finden wir einige Listen von Sünden (z. B. Mk 7,21-23; Gal 5,19-21; Eph 5,3.4). Sie helfen uns, das Böse in unserem Leben konkret zu erkennen. Aber sie sind nie ein abschliessende Aufzählungen von Verfehlungen, denn letztlich ist Sünde alles was wir in Unabhängigkeit von Gott tun, sagen oder denken.
In diesem Zusammenhang möchte ich auf Jakobus 1,14.15 hinweisen: «Jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.» Diese Bibelstelle zeigt uns den Weg von der ersten Begierde bis zum Tod als letzte Folge der Sünde. Daraus wird klar, dass jeder Sünde, die wir begehen, etwas vorausgeht:
➜ Die Begierde lockt
➜ die Begierde empfängt
➜ die Begierde gebiert eine sündige Tat
➜ die Folge der Sünde ist, wenn sie nicht verurteilt wird, Verderben und Tod.
Jeder weiss aus eigener Erfahrung, dass die Begierde lockt. Wir haben einen Hang in uns zu dem, was Gott nicht gefällt. Wenn wir nun dieses Locken zulassen oder sogar pflegen anstatt zu verurteilen, wird diese Begierde eine unkontrollierte Kraft entwickeln und unsere Gedanken und Gefühle so stark beherrschen, dass wir sündigen. Diese Entwicklung gleicht einer Geburt, die einmal ausgelöst, nicht mehr gestoppt werden kann. Hüten wir uns deshalb vor den Anfängen! Fangen wir die kleinen Füchse, bevor sie den Weinberg verderben (Hld 2,15). Überdenken wir diesen Prozess und sehen wir uns entsprechend vor!
Es ist eine grosse Gnade, dass Gott uns das Mittel des Selbstgerichts gegeben hat. Jederzeit besteht die Möglichkeit, dass wir Glaubende unsere Verfehlung einsehen, verurteilen und Gott bekennen können. Damit nehmen wir Gottes Haltung gegenüber unseren Sünden ein, denn Er hasst Sünden und muss sie richten, weil sie in keiner Weise zu Ihm passen. Beim Selbstgericht stellen wir uns also auf seine Seite und stimmen seinem Urteil über das Böse zu. Wir haben Gemeinschaft mit Gott in der Beurteilung unserer Sünden. Dann wenden wir uns an diesen heiligen Gott und danken Ihm von Herzen, dass Er das schonungslose und verdiente Gericht nicht an uns, sondern an seinem Sohn vollzogen hat! Das ist nicht die höchste Form von Gemeinschaft, aber sie wird uns helfen, eine gesunde Abscheu gegenüber der Sünde zu entwickeln. Sie ist zudem ein wichtiger Schritt hin zu einer tieferen Gemeinschaft mit Gott.
Wenn dein rechtes Auge dir Anstoss gibt, so reiss es aus und wirf es von dir; denn es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder umkomme, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen werde. Und wenn deine rechte Hand dir Anstoss gibt, so hau sie ab und wirf sie von dir; denn es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder umkomme, als dass dein ganzer Leib in die Hölle komme (Matthäus 5,29.30).
Jeder Glaubende hat seine Schwachstellen, die eine spezielle Versuchung für ihn darstellen. Ein weiser Christ wird sein Leben so einrichten, dass er den Gefahren aus dem Weg geht. Wenn der Herr Jesus sagt, wir sollen unser Auge ausreissen oder unsere Hand abhauen, dann meint Er es nicht buchstäblich, sondern macht einen Vergleich.
Wir sollen das aus unserem Leben entfernen, was uns immer wieder zur Sünde verleitet, und dabei auch Nachteile in Kauf nehmen. Einäugig oder ohne Arm zu leben bedeutet Behinderung oder Einschränkung. Konkret kann das heissen:
• Wenn du dein Einkaufsverhalten schlecht kontrollieren kannst, kaufe nur mit Bargeld ein.
• Wenn du zu einem riskanten Fahrstil neigst, kaufe ein schwach motorisiertes Fahrzeug.
• Wenn du in der Tageszeitung immer alle zweifelhaften Artikel liest, dann künde das Abonnement.
• Wenn du im Umgang mit dem Internet Mühe hast, wirst du deinen Internetzugang mit Hilfe anderer so organisieren, dass es dir nicht zur Falle wird.
Es ist besser, mit «Einschränkungen» zu leben und ein intaktes geistliches Leben zu haben, als aus Stolz eigene Schwachstellen nicht zuzugeben und dafür ein schwaches, unglückliches Glaubensleben zu führen. Wenn wir gegen die Fallstricke, die für uns besonders gefährlich sind, keine Vorkehrungen treffen, stehen wir in grosser Gefahr, einen Weg einzuschlagen, der den Herrn verunehrt und uns viel Not und Leid einbringt.
Wollen wir nicht lieber «einhändig» und dafür glücklich und zur Ehre des Herrn leben, statt «zweihändig» zu sündigen?
Zwei sind besser daran als einer, weil sie eine gute Belohnung für ihre Mühe haben; denn wenn sie fallen, so richtet der eine seinen Genossen auf. Wehe aber dem Einzelnen, der fällt, ohne dass ein Zweiter da ist, um ihn aufzurichten! (Prediger 4,9.10).
Ein weiser Mann ist stark, und ein Mann von Erkenntnis befestigt seine Kraft. Denn mit weiser Überlegung wirst du glücklich Krieg führen, und bei der Ratgeber Menge ist Rettung (Sprüche 24,5.6).
Wir wollen nicht zu stolz sein oder uns davor schämen, Hilfe voneinander in Anspruch zu nehmen, wenn wir mit dem Problem der in uns wohnenden Sünde nicht zurechtkommen. Wenn wir aus unserer Not ein Geheimnis machen, wird sie uns nur umso fester im Griff haben. Das gilt vor allem, wenn uns bestimmte Sünden zur Gewohnheit geworden sind. Da bringen auch veränderte Lebensumstände unser Sündenproblem nicht automatisch zum Verschwinden:
• Schwierigkeiten mit Habsucht werden nicht gelöst, wenn man plötzlich Millionär wird.
• Probleme mit sexuellen Sünden verschwinden nicht einfach durch die Heirat. • Zorn im Herzen geht nicht weg, weil der Nachbar wegzieht, der mich dauernd geärgert hat.
Wenn wir mit solchen Nöten nicht selbst fertig werden, ist es sinnvoll, mit der Unterstützung eines erfahrenen Christen verborgene Ursachen aufzudecken. Diese Hilfe hat Petrus nach seinem Fall vom Herrn selbst erfahren. Jesus Christus hat seinem Jünger mit drei Fragen die Ursache seiner Verleugnung aufgezeigt (Joh 21,15-18).
Überwinde deine Scham und bitte einen geistlichen Bruder oder eine geistliche Schwester um Hilfe.
Ein Christ, der immer wieder fällt, braucht echte Hilfe, damit er aus seiner Sackgasse herauskommt. Wie gut, wenn er seine Not einem Glaubenden mitteilen kann, der ihm barmherzig begegnet, statt ihn in einem Richtgeist verurteilt. Deshalb fordert uns Paulus auf:
Brüder, wenn auch ein Mensch von einem Fehltritt übereilt würde, so bringt ihr, die Geistlichen, einen solchen wieder zurecht im Geist der Sanftmut, wobei du auf dich selbst siehst, dass nicht auch du versucht werdest (Galater 6,1).
Sind wir echt geistliche Christen, die auf uns selbst Acht haben, anderen helfen und ihre Lasten mittragen?
Der Herr Jesus ist der grosse Hohepriester, der uns unterstützt, damit wir trotz unseren Schwachheiten nicht sündigen. Er ist auch der Sachwalter, der uns zurechthilft, wenn wir gesündigt haben. Aber Er möchte auch uns in diesem Dienst an unseren Glaubensgeschwistern benutzen.
Da wir nun einen grossen Hohenpriester haben, der durch die Himmel gegangen ist, Jesus, den Sohn Gottes, so lasst uns das Bekenntnis festhalten; denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid zu haben vermag mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem versucht worden ist in gleicher Weise wie wir, ausgenommen die Sünde. Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe (Hebräer 4,14‑16).
Wenn wir unsere Schwachstellen ein wenig kennen, merken wir, wie leicht wir in Sünde fallen können und damit Gott verunehren. Dabei wird uns bewusst, dass wir ohne Ihn keinen Schritt im Glauben gehen können. Wir sind täglich auf seine Unterstützung angewiesen, damit wir zu seiner Ehre leben können. Gott weiss das und stellt uns darum seine unerschöpflichen Hilfsquellen zur Verfügung: den Thron der Gnade und Jesus Christus, unseren Hohenpriester.
Durch das Sühnungswerk des Herrn Jesus ist der Thron Gottes für uns nicht mehr ein furchterregender Gerichtsthron, sondern ein Thron der Gnade. Jederzeit haben wir freien Zutritt zu Gott. Wir dürfen immer zu Ihm beten und Ihm alles sagen. Das Gebet zu Gott, dem Allmächtigen, ist eine echte Hilfe, wenn wir in Gefahr stehen zu sündigen!
Dort in der Gegenwart Gottes hält sich auch unser grosser Hoherpriester auf. Weil Er einst hier auf der Erde gelebt hat, versteht Er uns und hat Mitleid mit uns. Wenn wir zu Ihm gehen, werden wir nie den Eindruck haben, dass Er uns nicht so recht versteht, wie das bei Menschen oft der Fall ist. Er kannte zwar die Versuchung von innen durch die Sünde nicht, denn Er war ohne Sünde. Aber Er erfuhr doch, wie der Teufel und auch Menschen Ihn zur Sünde verführen wollten. Das verursachte gerade darum tiefe Leiden in seiner Seele, weil in Ihm keine Sünde war. Er lernte alle menschlichen Gefühle kennen und erlebte die menschlichen Beziehungen mit einem reinen Herzen und vollkommenen Empfindungen.
Wir merken wieder, wie wichtig eine lebendige Beziehung zu Christus für unser Glaubensleben ist. Hast du einen intakten, täglichen Umgang mit Ihm? Oder ist Jesus Christus für dich mehr eine Notrufnummer? Ihm dürfen wir alles sagen: unsere Sorgen und Nöte, unsere Freuden und Erfolge, unsere seelischen Hochs und Tiefs. Mit Ihm dürfen wir auch über unsere Anfechtungen und Schwachstellen reden, auch über das, was uns im Alltag willentlich oder unwillentlich schmutzig gemacht hat. Manchmal denken wir vielleicht: Dieses oder jenes ist zu unbedeutend oder vielleicht zu schlimm, um es Ihm zu sagen. Aber Er hat für jeden, der zu Ihm kommt, immer ein offenes Ohr. Bei Ihm dürfen wir alles, was uns belastet, abladen.
«Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt!», sagte unser Herr seinen Jüngern im Garten Gethsemane. «Seid besonnen zum Gebet!», ruft uns Petrus zu (Mt 26,41; 1. Pet 4,7).
Wenn wir alles vertrauensvoll zu Ihm bringen, dann werden wir seine Hilfe erfahren. Unsere inneren Nöte und Verletzungen werden uns nicht verbittern. Unsere Leistungen und Erfolge werden uns nicht hochmütig machen. Bei Ihm finden wir Gnade zu rechtzeitiger Hilfe,
• damit wir trotz dem Schmutz in der Welt nicht in Sünde fallen,
• damit wir trotz den Versuchungen des Feindes auf dem Weg des Gehorsams bleiben und
• damit wir trotz den Begierden in uns den Forderungen der Sünde nicht nachgeben.
Wichtig ist, dass wir täglich, ja, jederzeit zu Ihm kommen. Jeder weiss aus seinem eigenen Leben, wie schnell wir in den einzelnen Situationen zur Sünde versucht werden.
Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit (1. Johannes 1,9).
Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt; und wenn jemand gesündigt hat – wir haben einen Sachwalter bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten. Und er ist die Sühnung für unsere Sünden (1. Johannes 2,1.2).
Wenn wir in Sünde gefallen sind, müssen wir nicht verzweifeln. Obwohl es ernst ist – denn der Herr ist dadurch verunehrt worden – kann es wieder in Ordnung kommen. Jesus Christus, der Gerechte, ist als Sachwalter beim Vater für uns tätig. Er ist die Sühnung, die Wiedergutmachung für unsere Sünden vor Gott. Das bedeutet: Am Kreuz hat Er für alle unsere bösen Taten, Worte und Gedanken bezahlt. Er, der nie eine Sünde tat, litt für meine und deine Sünden im Strafgericht Gottes. Die Schuld ist gesühnt. Deshalb dürfen wir mit einem aufrichtigen Bekenntnis als Kind zum Vater kommen und Ihm alles sagen, die ganze schlimme Sache.
Bekennen heisst, die Sünden beim Namen nennen, Ihm klar sagen, was man getan hat. Wenn ich mich nicht geschämt habe, die Sünde zu tun, dann soll ich mich auch nicht davor schämen, sie Gott nun beim Namen zu nennen (Jes 43,25.26). Ein oberflächliches und pauschales «Ich habe einen Fehler gemacht» genügt nicht.
Wenn wir jedoch die begangene Tat vertuschen und für uns behalten, vergrössert sich der angerichtete Schaden. Schon David hat das erfahren: «Als ich schwieg, verzehrten sich meine Gebeine durch mein Gestöhn den ganzen Tag. Denn Tag und Nacht lastete auf mir deine Hand; verwandelt wurde mein Saft in Sommerdürre» (Ps 32,3.4).
Weil wir mit unserer Schuld sowieso nicht klarkommen, gehen wir am besten sofort zu Gott, unserem Vater, und bekennen Ihm alles. Jedes Unrecht, jedes Vergehen ist schlimm. Wir wollen das Böse nie bagatellisieren. Am Kreuz musste Jesus Christus den Zorn Gottes für jede unserer Sünden tragen. Nie wollen wir vergessen, dass jede Sünde, die wir begehen, zuallererst Gott verunehrt. Aber sie fügt auch uns selbst und anderen grossen Schaden zu. Damit kommen wir nie selbst zurecht, aber Gott sehr wohl. Darum gibt es nur einen Weg: die ganze Schuld Ihm zu bringen und Ihm aufrichtig zu bekennen.
Wie gut, dass Jesus Christus als unser Sachwalter tätig wird, wenn wir gesündigt haben! Er rührt unser Gewissen an, macht uns die Sünde bewusst, so dass wir sie einsehen und verurteilen. Er hilft uns auch, sie Gott und wenn nötig Menschen zu bekennen. Dann vergibt uns der Vater im Himmel sofort (1. Joh 1,9). Die getrübte Gemeinschaft ist dadurch wiederhergestellt. Doch der Dienst des Sachwalters ist noch nicht abgeschlossen. Er reinigt uns von aller Ungerechtigkeit, indem Er uns auf die Ursache der Sünde aufmerksam macht. Er möchte, dass wir auch die Wurzel des Übels verurteilen und völlig wiederhergestellt werden (Ps 41,5).
Dabei gilt es, eins zu bedenken: Je länger wir mit dem Bekenntnis warten, je weiter wir abgeirrt sind, desto länger wird dieser Wiederherstellungsprozess dauern. Trotzdem dürfen wir jederzeit zu Gott zurückkehren. Die Tür der Buße und des Bekenntnisses steht uns immer offen.
Ein eindrückliches Beispiel dazu ist der gottlose König Manasse. Wie keiner vor ihm tat er, was böse war, in den Augen des Herrn. Er reizte Ihn, indem er schrecklichsten Götzendienst und Okkultismus trieb. Gott rief ihn zur Umkehr auf. Aber Manasse wollte nicht auf Ihn hören. Da wurde er von einer feindlichen Heeresmacht besiegt und gefangen genommen. «Als er bedrängt war, flehte er den Herrn, seinen Gott, an und demütigte sich sehr vor dem Gott seiner Väter und betete zu ihm; und er liess sich von ihm erbitten und erhörte sein Flehen und brachte ihn nach Jerusalem in sein Königreich zurück. Da erkannte Manasse, dass der Herr der Gott ist» (2. Chr 33,12.13). Auch der Aufruf des Propheten Jesaja spricht uns an: «Sucht den Herrn, während er sich finden lässt; ruft ihn an, während er nahe ist. Der Gottlose verlasse seinen Weg und der Mann des Frevels seine Gedanken; und er kehre um zu dem Herrn, so wird er sich seiner erbarmen, und zu unserem Gott, denn er ist reich an Vergebung » (Jes 55,6.7).
Macht uns diese reiche, freie Gnade Gottes sorglos? Wenn sie uns leichtfertig macht, haben wir die Gnade Gottes nicht richtig verstanden! Im Gegenteil, sie wird uns näher zu Gott bringen. Wir wünschen dann immer mehr, für diesen wunderbaren Gott zu leben. Wir möchten auf Ihn hören und von Herzen seinen Willen tun.
Wenn du den Wunsch hast, ein siegreiches Christenleben zu führen, dann halte Folgendes fest:
• Als Christ stehst du auf einer sicheren Grundlage: Du bist mit Christus der Sünde gestorben und damit von ihrer Macht befreit. Du musst nicht mehr sündigen, obwohl du noch sündigen kannst.
• Deine grundsätzliche Lebensausrichtung hat einen grossen Einfluss auf dein praktisches Glaubensleben. Pflege eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus, lies regelmässig in der Bibel und trau deinem Gott alles zu.
• Dein konkretes Verhalten im Alltag hilft dir, Fehltritte zu vermeiden. Beschäftige dich viel mit dem Guten und halte dich entschieden vom Bösen fern.
Der lebendige und allein wahre Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat uns in seiner unergründlichen Liebe und Gnade eine vollkommene Errettung geschenkt. Seine Gnade unterweist und befestigt uns jetzt im Glaubensleben. Sie ist jeden Tag neu für uns da. Bald wird der Herr Jesus in seiner Gnade jeden, den Er durch sein wertvolles Blut erkauft hat, zu sich in die Herrlichkeit nehmen.
Ohne seine Hilfe können wir keinen Schritt zur Ehre Gottes gehen. Darum: Stütze dich jeden Tag auf Ihn! Er kann dir den Sieg über die Versuchungen schenken und dich vor einem Fehltritt bewahren. Nimm seine Gnade demütig in Anspruch, wenn du gefallen bist. Sie richtet dich wieder auf und gibt dir aufs Neue Kraft, dem Herrn Jesus konsequent und glücklich nachzufolgen.
Die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend für alle Menschen, und unterweist uns, damit wir, die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnend, besonnen und gerecht und gottselig leben in dem jetzigen Zeitlauf, indem wir erwarten die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres grossen Gottes und Heilandes Jesus Christus, der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns von aller Gesetzlosigkeit loskaufte und sich selbst ein Eigentumsvolk reinigte, das eifrig sei in guten Werken (Titus 2,11-14).
Dem aber, der euch ohne Straucheln zu bewahren und vor seiner Herrlichkeit untadelig darzustellen vermag mit Frohlocken, dem alleinigen Gott, unserem Heiland, durch Jesus Christus, unseren Herrn, sei Herrlichkeit, Majestät, Macht und Gewalt vor aller Zeit und jetzt und in alle Ewigkeit! Amen (Judas 24.25).